Die Wellen des Meeres

Die Freude und das Glück wohnen in einem kleinen Haus am Meer. Die Freude und das Glück, sie stehen Hand in Hand vor dem Haus, am Strand und blicken aufs Meer hinaus. Sie reden nicht – sie beobachten die Wellen und versuchen sich selbst in ihnen zu finden.

.Sie suchen nach der Kraft, die sie selbst besitzen, um das Leben voranzutreiben. Sie suchen nach der Liebe, die sie beflügelt und ihnen Wärme im Herzen schenkt. Sie halten Ausschau nach dem Vertrauen, das sie am Fluss des Lebens trägt. Sie blicken in die Tiefe des Meeres hinab, wo ihre Ängste lauern. Die Freude und das Glück wissen, dass die Ängste da sind, doch sie vertrauen auf die Kraft der Wellen, sie lassen sie nicht aus der Tiefe herauskommen.

Auch wenn sie da sind, mögen sie unten bleiben, umhüllt von der Dunkelheit. Dort dürfen sie verweilen – sie werden nicht fortgejagt. Die Freude und das Glück, sie halten zusammen, sie tragen sich gegenseitig, sie entfalten sich. Tosende Wellen, auf denen Sonnenstrahlen reiten und der Wind, der nährt sie, um immer höher und stärker zu werden.

Die Freude und das Glück werden von den Wellen getragen – einmal sind sie oben, einmal sind sie unten. Doch die Tiefe des Meeres schreckt sie nicht, sie wissen, dass die Wellen sie beschützen, auch wenn sie fallen. Sie werden wieder emporgehoben – weg von den Ängsten, die sie manchmal besuchen.

Die Wellen des Meeres, das Leben selbst. Sie sind immer in Bewegung, wie das Leben, die Wellen, einmal sind sie oben, einmal sind sie unten, manchmal herrscht auch Stillstand – doch die Ruhe täuscht. Die Wellen, die die Freude und das Glück mal tragen und sie auch mal fallen lassen. Die Wellen, mit ihrer weißen Gischt, mit der sie die Angst und das Unglück herausspucken, die Freude und das Glück beschmutzen. Die Freude und das Glück, zwei Freunde, und die Wellen, die sie tanzen oder in der Tiefe versinken lassen.

Doch sie möchten die Wellen nicht missen, sie wollen nicht, dass der Wind stillsteht, wenn sich nichts bewegt. Die Freude und das Glück wissen, sie würden sterben, wenn die Wellen des Meeres aufhörten zu existieren. Das Meer ohne Wellen, wie das Leben ohne Freude und Glück.

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„Und ich habe mich so gefreut!“ sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut – ist das nichts?

(Marie von Ebner-Eschenbach)

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

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