Die Eine und die Ewigkeit

Er war unruhig und rastlos, ständig auf der Suche. Er suchte die wahre Liebe und die Eine, die ihn vor der permanenten Suche befreien würde. Frauen gab es bereits viele in seinem Leben. Frauen, die er mit Leichtigkeit eroberte. Seinem Charme erlagen viele. Doch der Zauber dauerte nicht lang. So schnell er kam, so schnell verflüchtigte er sich nach ein Paar Wochen. Der Zauber hatte keinen Bestand – oft verstand es selbst nicht, warum. Die Suche, nach etwas noch Besserem trieb ihn an, ohne Kompromisse. Jahreszeiten wechselten sich und mit ihnen die Frauen in seinem Leben. Er wollte immer eine Andere, eine Neue erobern. Das gab ihm das Gefühl der Sicherheit. Es geht noch, er kann noch jede, die er will, bekommen. Er dachte es jeden Tag und er strahlte diese Gedanken aus. Es funktionierte. Als wäre ein Magnet in seinem Inneren eingebaut, zog er die Frauen an, die ihn umkreisten, wie Motten das Licht.

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Das Leben hat keinen Sinn außer dem, den wir ihm geben. (Thornton Wilder)

Manchmal fragte er sich, ob das alles einen Sinn hatte, doch er tat sich selbst schwer zuzugeben, dass es dahinter eine andere Wahrheit versteckte. Er wollte diese Wahrheit nicht suchen und sie nicht finden, ihr nicht auf den Grund gehen. Ihm reichte die Bestätigung, dass er immer noch auf der Höhe war. So lange, bis er diese bekam, hatte er die Kontrolle, die er für keine Frau der Welt abzugeben bereit war. Seine Gefühle durften sich nur an der Oberfläche bewegen – es wäre zu gefährlich gewesen, sie zu vertiefen. Dann hätte er das Gefühl, abhängig und ausgeliefert zu sein, er verbot seinem Herzen, sich fallen zu lassen.

Es gab viele Frauen, die nach ihm weinten, wenn er sie nicht mehr wollte. Es gab viele, die ihm nachliefen und viele, die ihn für lange Zeit nicht loslassen konnten. Doch er war, wie er eben war – mal hier, mal da. Tief in seiner Seele flüsterte eine Stimme: Wie viele sind genug? Du suchst immer nur die Eine, doch du wirst sie so nicht finden … die Bestätigung und die Kontrolle, die du brauchst, lassen die Eine für dich unsichtbar bleiben … dein Leben geht irgendwann zu Ende, doch ohne die Eine … Die Ewigkeit ist dein einziger Zeuge.

Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. 

(Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769)

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

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