Ungelebte Liebe – vergessen …?

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Wenn das Vergessen schwerfällt, wenn wir mit aller Kraft versuchen, jemanden, der uns einst sehr nahestand, den wir liebten, zu vergessen. Wenn wir unsere Gedanken unter Kontrolle haben, wenn wir ihnen nicht erlauben, ständig unsere Erinnerungen zu wecken, sie lebendig zu machen an eine Zeit, als wir uns glücklich fühlten. An eine Zeit, als wir eine tiefe Liebe für jemanden in unserem Herzen spürten. Erinnerungen an eine Zeit, als wir das Leben liebten und die ganze Welt umarmten, wenn wir mit jemandem zusammen waren, dem wir an unserem Lebensweg begegnen mussten, weil es so vorgesehen war. Des Schicksals Freude, des Schicksals Leid – niemand kann es wissen, was eine Begegnung für uns in sich verbirgt. Wo ein Anfang, auch ein Ende – jeder Anfang, jeder Neubeginn trägt das Ende in sich. Der Kreislauf des Lebens, das Rad des Schicksals, das sich weiterdreht und uns immer neue Erfahrungen beschert.

Manchmal kommt das Ende vom Anfang früher und unerwartet – ohne Rücksicht auf das Glück und die Gefühle; auch die Schmetterlinge im Bauch zählen nicht. Es kommt eben, wie es kommen muss – das Rad des Lebens bestimmt, wann eine Begegnung mit glücklichen Folgen doch zerbricht. Eine Erfahrung, die unsere tiefste Seele berührt, die uns das ganze Glück der Welt schenkt – und doch kann sie zu einem Schwert in unserem Herzen werden. Ein Schwert, das niemand mehr entfernen kann – auch nicht, wenn es heißt, die Zeit würde alle Wunden heilen.

Man möchte die einst schöne Zeit, die das Unglück von Beginn an in sich verbarg, vergessen, verdrängen – man möchte an dem Schwert im Herzen nicht rühren; wenn man es schon nicht herausziehen kann, es soll stillbleiben! Es soll uns nicht quälen mit Erinnerungen, die von unseren sentimentalen Gedanken wachgerüttelt werden. Wir wollen nicht, dass längst ruhiggestellte Emotionen in uns hochkriechen – langsam, hinterhältig und lähmend. Denn wenn sie kommen, bleibt uns die Luft weg – wir spüren nichts als die Schwere der Erinnerungen – sie beginnen uns zu würgen; wir können die Bitterkeit, die uns am Ende blieb, im Halse spüren und die Wehmut, die alles noch schlimmer macht … Wenn damals alles anders gekommen wäre … wenn ich vielleicht anders reagiert hätte … wenn er/sie dies oder das nicht gesagt hätte … wenn er/sie doch treu geblieben wäre … wir waren doch so glücklich, wenn wir bloß mehr Verständnis füreinander gehabt hätten … wenn wir nicht so stur gewesen wären … wenn er/sie mich mehr respektiert hätte … ach ja … es ist vorbei …

Doch die Liebe, die kann man nicht einfach aus dem Gedächtnis streichen, die Erinnerungen an glückliche Zeiten so einfach auslöschen. Sie gehören der Vergangenheit an, die wir abhaken sollten – Menschen verändern sich, doch die Vergangenheit bleibt immer gleich; sie ändert sich nicht. Sie wird immer so bleiben, wie die Zeit damals war, die wir einst erlebten, die Zeit mit der Erfahrung, die uns wehtat. Man sollte weitergehen und vergessen – doch die Erinnerungen verfolgen uns. An manchen Tagen tanzen sie mit dem Schwert in unserem Herzen, als wollten sie uns wachrütteln, uns erinnern, dass eine Sache vielleicht noch nicht ganz abgeschlossen ist. Sollen wir hoffen oder sollen wir uns dagegen stemmen, sollen wir gegen den Strom schwimmen aus Angst, uns die schmerzhafte Erfahrung nicht noch einmal antun zu müssen …?

Der Verstand und die Angst sagen NEIN – tu dir das nicht an, du wirst wieder leiden müssen. Doch die Erinnerungen und die Liebe von einst lassen sich nicht abwimmeln. Sie verfolgen uns, sie nehmen unsere Gedanken in Beschlag, ohne dass wir es merken. Was wir merken, das sind die Emotionen, die in unserem Hals stecken bleiben und uns das Atmen erschweren. Das Herz so schwer … doch man hat inzwischen ein anderes Leben, mitten im Alltag – man müsste vielleicht Einiges aufgeben, auf Einiges verzichten, womöglich einer anderen Person wehtun um wieder dort anzuknüpfen, was man mit aller Kraft versucht, zu vergessen. Die Kontrolle loslassen, sich ergeben, geschehen lassen was gelebt werden möchte, was noch nicht vollkommen war. Die Erfahrung von damals vollenden, auf das Rad des Schicksals vertrauen.

Die tiefe Liebe, die wir für jemanden empfanden und uns im Herzen berührte, die tiefe Liebe, die jedoch damals ein abruptes Ende fand, weil das Leben es so wollte. Ihr eine zweite Chance geben, um sich zu entfalten, um endlich die Wahrheit dieser Erfahrung zu ergründen – um herauszufinden:  warum, weshalb … ?

Wenn die Angst und der Verstand den Weg freimachen würden, wenn wir die Enttäuschung von damals nicht fürchten würden, wenn wir uns entscheiden würden, wenn wir den ersten Schritt auf den Weg unseres Herzens tun würden – dann würden wir es erfahren. Dann würden wir endlich die ungelebte Wahrheit der Liebe, die uns mit ihren Erinnerungen schon lange quält und verfolgt, herausfinden. Dann ist es vollbracht, dann ist es endlich abgehakt – dann wissen wir es. Auch wenn es uns vielleicht noch einmal wehtun muss.

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

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3 Gedanken zu “Ungelebte Liebe – vergessen …?

  1. Liebste Sunelly,

    Du bist mit Deinen Worten unübertrefflich.

    Was für ein mutiger Beitrag von Dir. Du gehst mit Deinen Worten in die tiefe der Liebe – für mich ist das Lesen eine Bestätigung an die Liebe, die wir ALLE leben.

    Die Liebe ist das Allerschönste, sie ist himmlisch schön und doch dürfen wir auf diesem Weg nie das Risiko auslassen, dass diese Liebe schmerzen hervorbringen kann.

    Die Heilung für eine gesunde Liebe ist, diese Schmerzen zuzulassen und mit an ihnen zu wachsen.

    Damit erhalten wir uns die schönen Erinnerungen – die schönen Seiten der Liebe – und die Schmerzen verblassen.

    Die Liebe ist manchmal wie eine Geburt eines Kindes: dieses Kind kommt niemals ohne Schmerzen für uns zur Welt, aber wenn es sich uns zeigt, sind die Schmerzen, wie von selbst weggeweht.

    Danke für diesen Text mit seiner wahrhaften Tiefe der Liebe. Jutta

  2. Pingback: Denn Liebe ist nicht planbar … | Schreib-Box

  3. Pingback: Betrogene Gefühle « Knappe Worte

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